Die Entstehung

Ein Stück, das seine Geschichte erst suchte

Am Anfang stand keine Geschichte, sondern Musik. Im Oktober 2026 lag unter dem Arbeitstitel „Jewish“ eine erste Fassung vor: zwei Themen, die nicht mehr aus dem Kopf gingen, und ein tiefes Orgel-D, das schlägt wie ein Hammer: das spätere Ostinato. Es fehlten ein Spannungsbogen und ein roter Faden. Die Pauken saßen an der falschen Stelle.

Daraus wurde ein langes Zwiegespräch zwischen Markus Freyt und Claude, einer künstlichen Intelligenz von Anthropic. Hin und her gingen MIDI-Dateien, Aufnahmen und Fragen, oft auch Widerspruch.

  1. 2026Oktober
    Die erste Fassung

    „Jewish“

    Das Ziel: ein jüdischer Trauermarsch, tragisch, in d-Moll, 80 Schläge pro Minute, mit wenig Chor und dezenter orientalischer Färbung. Die Themen A und C bleiben, wie sie sind. Sie sind Ohrwürmer.

    Aufnahme folgt.
    „Jewish“, die erste Fassung vom Oktober 2026 (4:19).
  2. 2026Oktober
    Entwürfe 1 bis 9

    Das Stück wächst

    Über neun Entwürfe entstehen der Spannungsbogen, die Leitlinie aus den ersten Tönen der Klarinette, die Glocken der Einleitung, der ferne Hornruf, ein neues Thema B, Duette und Kanons, der orientalische Teil und das große Amen. Danach greift Markus zum Rotstift, ergänzt und mischt von Hand in Logic Pro.

  3. 2026Oktober
    Aus der Werkstatt

    Aus dem Dialog

    1. Erst führen, dann verzweigen

      „Dem Zuhörer erst eine Führung anbieten und dann mit Variationen und Verästelungen beginnen.“ Deshalb beginnt das Stück mit einer langen Einleitung aus Streichern und Pauke. In der Ferne rufen die Hörner, dann kommen die Glocken. Erst wenn die Leitlinie ganz da ist, beginnt das Spiel mit ihr.

    2. Glocken, die zur Melodie werden

      Die Idee waren einzelne Fragmente der Leitlinie, wie die Glocken einer Kirche. Claude arbeitete aus, wie die Fragmente sich Schritt für Schritt zur vollständigen Melodie der Klarinette fügen.

    3. Ein Versprechen der Pauke

      Die Pauke sollte etwas ankündigen, das zunächst nicht eingelöst wird. Eingelöst wird es erst sehr spät, im Abschnitt „Das Testament“.

    4. Hymnisch, dann wuchtig

      Der erste Teil sollte hymnisch klingen, der zweite wuchtig. Am Höhepunkt schlagen die Streicher abwechselnd auf 2 und 4.

    5. „Zu viel Dur“

      Der orientalische Teil wurde nach dieser Kritik nach Moll gedreht und dezent mit Freygish gefärbt, der jüdischen Tonleiter mit der übermäßigen Sekunde.

    6. „Nicht verschieben, ruhig kopieren“

      So kam der Hammer schon vor dem ersten großen Einschnitt.

    7. Der Rotstift

      Markus kürzte und setzte die Abschnitte auf die Eins. Claude prüfte die Nahtstellen und schlug eine winzige Vorahnung in der Flöte vor.

    8. Die Wiederkehr des Hornrufs

      In der Mitte kamen vier Takte hinzu, in denen der Hornruf vom Anfang zurückkehrt.

    9. Ausdruck

      Dynamik, Lautstärkeverläufe und Vibrato wurden als Steuerdaten in jede Spur geschrieben. Jedes Instrument wurde auf seinen spielbaren Tonumfang geprüft. Die Hörner werden eine Oktave höher notiert, weil das Sample-Instrument die tiefen Töne sonst nicht spielt.

    10. Das lauteste Amen

      Bei der Analyse der Mischung meldete Claude den lautesten Moment des Stücks als Problem. Markus' Antwort: Das ist das Amen. Es blieb der lauteste Moment.

    11. Das Amen und Mozart

      Die beiden Takte waren für Markus von Anfang an zwei Silben, „A-men“, und erinnerten ihn an Mozarts Requiem. Beide Amen stehen in d-Moll und beginnen mit demselben Akkord. Mozarts Amen findet nach Hause, dieses bleibt offen.

    12. Erste Noten

      Aus den Spuren der Produktion entstand ein erster Entwurf der Partitur: automatisch gesetzt, noch nicht korrekturgelesen. Zur Partitur →

  4. 20261. – 2. November
    Die Suche nach der Geschichte

    Eine schwarze Hochzeit

    Viele Stoffe werden geprüft und verworfen. Am Ende steht die schwarze Hochzeit, und daraus entsteht die erfundene Geschichte von Feyge und Schmuel. Aus „Jewish“ wird kurz „Masel Tov“ und schließlich Almana – Eine schwarze Hochzeit.

    Zur Geschichte →

  5. 2026November
    Audio-Entwurf

    Almana

    180 Takte, rund neun Minuten.

    Aufnahme folgt.

    Das ganze Stück mit Kapiteln hören →

Zu vier Händen

Wer hat was beigetragen?

MenschMarkus Freyt

  • die Themen A und C, das neue Thema B, die Leitlinie der Klarinette
  • das Ostinato: das tiefe Orgel-D als Grundpuls
  • die Idee der Glocken
  • die Idee des Hornrufs
  • das Amen in zwei Silben und der Bezug zu Mozarts Requiem
  • die Idee der Geschichte: das fremde Paar, der Tod, die Witwe, der Ring, das Kind, das Testament
  • die Wahl der Namen und des Titels
  • jede Entscheidung, was bleibt und was nicht, Korrekturen direkt in den Noten, Klang und Mischung

KIClaude (Anthropic)

  • Ausarbeitung der Entwürfe im MIDI, Satz und Stimmführung
  • Vorschläge zu Spannungsbogen und Form
  • die Ausarbeitung der Glocken bis zur vollständigen Leitlinie
  • die Wiederkehr des Hornrufs und deren Ausarbeitung
  • die Analyse des Amen im Vergleich zu Mozart
  • der Anstoß zur schwarzen Hochzeit, die Recherche und die Ausarbeitung der Geschichte
  • Vorschläge für Namen und Titel, der Programmtext
  • Ausdrucksdaten, Prüfung der Tonumfänge, Analyse der Mischung